Sonntag, 13. Februar 2011

Reise ohne Plan

In Pelling

Meinen Plan, den ich nicht wirklich hatte, hat es gestern gewaltig durchgewirbelt. Früh morgens noch wurde ich nach einer "angenehmen" Nacht im mehr als stickigen Kabuff in Delhi wach. Nicht das das Zimmer eine Absteige gewesen wäre, doch die Luftzufuhr im beengten Raum war etwas knapp bemessen, so dass am Morgen Frischluft ein Fremdwort war. Kurz nach dem Aufwachen ab ins Taxi und zum Domestic Airport. Alles kein Thema. Und wieder zeigt sich, mit welch rasanter Geschwindigkeit sich die Gesichtszüge von Delhi verändert haben. Überall wird gebaut. Krise? Die scheint es zumindest im Bausektor nicht zu geben. Überhaupt strebt Indien derzeit nach den Sternen. Die Volkswirtschaft boomt und rasante Zuwächse am Markt sind in allen Branchen üblich. Unter den 1,2 Milliarden Indern gibt es unzählige Gewinner aber noch viel mehr Verlierer, die am Straßenrand mit ihrem Hab und Gut - kaum mehr als die Fetzen Kleidung am Leib - ihr Dasein fristen und auf ein paar Rupien von ihren Mitmenschen oder Touristen hoffen.

Am Flughafen klappt diesmal alles reibungslos. Mein Flug ist nicht überbucht, wie noch im Jahr zuvor. Keine endlosen Diskussionen oder anderweitige Pläne für den ungefüllten Tag. Der Weg ist klar: ab in den Flieger und nach vier Stunden und irgendwas in Bagdogra landen und weiter mit dem Jeep nach Darjeeling. So weit so gut! Doch hier wird der "Plan" durchkreuzt. Bis zur Anreise nach Bagdogra ist alles klar. Ich spreche am Gepäckband eine Französin an: "Wollen wir uns einen Jeep nach Darjeeling teilen?" "Klar, das hatte ich auch vor dich zu fragen." Also auf zum Taxistand. Zuvor erwähnt sie, sie hätte gehört, dass die Straße nach Darjeeling gesperrt sei. In Westbangalen und den nordöstlichen Provinzen gäbe es einen Streik. Wieder einmal geht es um die Unabhängigkeit der Provinz von Indien. Vielleicht würden keine Taxis dorthin fahren. Nun ja, ihre Aussagen bestätigen sich am Taxistand. "There are no Taxis to Darjeeling or Gangtok today. Maybe tomorrow." Also kein Taxi nach Darjeeling oder Gangtok. Wir könnten es morgen noch einmal probieren. Es fahren nur Taxen nach Siliguri. Mein Gott, diese furchtbar dreckige und laute Stadt, in die ich freiwillig nicht noch einmal zurückkehren wollte, sollte nun unser Endziel sein? Am Busbahnhof festigte sich mehr und mehr die Gewissheit, dass selbst die Busse nach Sikkim nicht fahren würden. Jedenfalls nur ohne uns, denn aufgrund des eingeschränkten Taxiverkehrs sind alle Busse ausgebucht, auch für die nächsten Tage. Also schaue ich blöd über den Markt, laufe hier und dort und treffe auf einen Inder der mich fragt, ob ich nach Pelling wollte. "Wieviel Leute kommen noch mit?", ist seine Frage. "Vier", antworte ich. Ich und Karo und die zwei Franzosen von Bagdogra, die ich ins Schlepptau genommen habe. Nun beginnen die Verhandlungen. Da die Straße nach Darjeeling durch Polizei und Armee gesichert wird, weil es immer wieder Proteste, Steinwürfe und brennende Jeeps gibt, haben die meisten Fahrer Angst, die Strecke zu bereisen. Der Preis für den Jeep ist hoch. Nach Darjeeling führt kein Weg und es macht auch keinen Sinn, weil bei Streik geht nichts mehr! Also bleibt nur Pelling in Sikkim. Sechs Stunden mit dem Jeep durch die Dunkelheit der Berge. Wir verhandeln hartnäckig und setzen uns mit einer trotzdem noch "überwucherten" Preisvortsellung durch und fahren in weniger als sechs Stunden nach Pelling. Dort angekommen geht es ins "Blue Hills" zu Deven und Devi vom letzten Jahr. Die Wiedersehensfreude ist riesig. Die Zimmer sind schnell bezugsfertig und der Willkommenstee und ein paar Kekse stehen rasch auf dem Tisch. Gemeinsam lassen wir noch den Tag Revue passieren und freuen uns auf eine geruhsame Nacht und abwechslungsreiche Tage in Sikkim.    

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Freitag, 11. Februar 2011

Da hat sich was getan!

Kuhgespann in Delhi

Das die Zeit Veränderungen mit sich bringt, ist wohl nicht nur mir bekannt. Doch das sich innerhalb kürzester Zeit das Gesicht einer Stadt so gravierend verändert, dass man an einigen Stellen nur noch Masken sieht, ist dann mehr als verwunderlich. Gerade einmal 10 Monate ist es her, als ich Delhi in 2010 das letzte mal gesehen habe. Im Zuge etlicher Baumaßnahmen ist unglaublich viel Neues gewachsen und Altes wurde erneuert. Inzwischen verfügt Delhi über ein gut funktionierendes öffentliches Bahnnetz der Metrolinie. Nur irgendwie erschien mir heute noch der gesamte Komplex suspekt, denn bewaffnete Sicherheitsleute checken jegliches Gepäck per Scanner und jeder Passagier muß durch eine Schleuse und wird nach Waffen untersucht. Ein Gesichtszug mehr von Delhi!

Ich bin nach dem Flug recht platt. Am Abend stinkt die Stadt erbärmlich und eine graue Dunstglocke aus Smog verhüllt den Abendhimmel. Dafür schien heute tagsüber die Sonne und es war nach den langen deutschen Wintermonaten eine regelrechte Wohltat, die Energie des Feuerballs durch Mark und Bein strömen zu lassen. Ich freue mich auf morgen, wenn ich hoffentlich unkompliziert nach Darjeeling reisen kann und vor allem klare Bergluft durch meine Lungen pumpen darf.

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Donnerstag, 10. Februar 2011

Auf dem Weg nach Istanbul

Flieger nach IstanbulRastlose Füße... Noch einmal nach Indien. In ein paar Minuten werde ich im Flieger nach Istanbul sitzen und gegen 4 Uhr morgens lokaler Zeit Delhi erreichen. Der Weg führt mich später in den Himalaya, nach Darjeeling und Sikkim. Welches Abenteuer Reise wird mich in diesem Jahr erwarten? Ich freue mich auf Deven und Devi vom Blue Hills in Pelling. Und auf Yuksom, die alte Königsstadt von Sikkim. Mehr davon dann bald wieder hier. 

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Samstag, 13. November 2010

Neue Termine Multivision Indien 2010

Im Rittersaal Altdöbern

Ich gehe wieder auf Tour. Es gibt neue Termine für die aktuelle Dia-Multivision "Immeraufderreise - Indien 2010". Am 10.12.2010 ab 19.00 Uhr gastiere ich im Jugendclub VIERZIG in 01458 Ottendorf-Okrilla. Am 02.02.2011 ab 19.00 Uhr bin ich in der Kulturfabrik in 02977 Hoyerswerda zu Gast. Aktuelle Terminübersicht.

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Sonntag, 19. September 2010

Indien 2010 - Diavortrag in Altdöbern

Es gibt einen weiteren Termin: Am 22. Oktober 2010 wird der aktuelle Diavortrag "Immeraufderreise - Indien 2010" im Rittersaal der Gaststätte Krone, 03229 Altdöbern ab 20 Uhr gezeigt. Karten gibt es im Vorverkauf für 4,- Euro per Email hier. Abendkasse 5,- Euro.

Aufgrund des geringeren Platzangebotes empfehle ich den Vorverkauf zu nutzen.  

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Sonntag, 05. September 2010

Indien 2010 - Diavortrag

Titelbild Indien 2010

„Immeraufderreise – Indien 2010“

Seit 1993 ergründet der Weltenbummler André Muschick die Erdkugel und hat dabei inzwischen 30 Staaten durchquert. Seinen Reisegewohnheiten hält er dabei stets die Treue: Bis auf einen Sitzplatz im Flugzeug bucht er für seinen Ausflug ins Unbekannte keine weiteren Annehmlichkeiten.

Dieses Jahr zog es ihn nach Indien. Indien – Faszination pur. In seiner aktuellen Dia-Multivison „Immeraufderreise – Indien 2010“ zeigt der begeisterte Globetrotter in über 500 Bildern seine Reiseeindrücke vom indischen Subkontinent. Den Zuschauer entführt er dabei von der Ankunft in der quirligen Metropole Delhi in die Wüsten Rajasthans zum Taj Mahal, weiter nach Darjeeling und in den kleinen Bergstaat Sikkim. Neben alten Tempelbauten und uralten Klöstern sind es vor allem die Begegnungen mit den Menschen und die Eindrücke der fremden Kulturen, kontrastreiche Unterschiede zwischen Arm und Reich die in seinem aktuellen Diavortrag thematisiert werden. Kleine Anekdoten am Rande runden die Reisegeschichte ab.

Ganz bewusst setzt der Autor noch auf die analoge Technik aus drei Kodak-Diaprojektoren, die mit den Vorteilen der digitalen Computertechnik innovativ für eine Multivisionsshow aus Bild, Musik, Soundaufnahmen von den Schauplätzen und freier Rede kombiniert werden.

Der erste Vortrag dieser Reihe wird am 01.10.2010 ab 20 Uhr in der Kirche Schöna, 04936 Schöna-Kolpien gezeigt. Weitere Termine werden folgen. Aktuelle Termine gibt es hier.

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Sonntag, 25. April 2010

Abschied schweren Herzens

Abschiedsbild Blue Hills Pelling

Dort wo vor einem Monat das erste Abenteuer Indien für mich begonnen hatte, wird es nun auch enden. Zurück in Delhi, doch nicht ohne schweren Herzens Abschied genommen zu haben.

Rückblick: Seit dem 10. April bin ich allein in Indien unterwegs und meine zurückliegende Reiseplanung war mit Darjeeling und Sikkim soweit ausgereift, als dass ich unbedingt noch einmal wieder in den Himalaya wollte. Mehr als 12 Jahre liegt es nun schon zurück, als ich das erste mal asiatischen Boden unter den Füßen verspürte und sofort wußte, dieser Kontinent würde mich für längere Zeit meines Lebens in seinen Bann ziehen. Und das tut er nun schon seit 12 Monaten meines Daseins, denn so lange bin ich inzwischen auf unterschiedlichen Reisen in verschiedenen Teilen dieses Erdteils unterwegs gewesen. Stets neue Geschichten gab es zu erleben und auf nette Menschen trifft man ohnehin immer, wenn man mit der nötigen Offenheit auf sie zugeht.

So geschah es auch wieder auf der diesjährigen Reise durch Indien. Bereits zu Beginn lernten wir Ashok und seine Freunde in Delhi kennen. Gleich am ersten Abend trafen wir uns zu einer kleinen gemeinsamen Willkommensparty mit reichlich Gesprächsstoff und Getränken. Später dann traf ich in Darjeeling auf "Uncle Tony", der mich auf ein gemeinsamen Essen mit seiner Familie einlud, nicht jedoch ohne ausführliche Gespräche. Zu vergessen sind nicht die unzähligen anderen Alleinreisenden, auf die ich bei meinen Fahrten, Wanderungen und in Darjeeling, Gangtok und Pelling getroffen bin. Und der Abschluß? Nun, den bildet ganz sicher Deven und seine kleine Familie aus Pellings Blue Hills Hotel, wo ich die gesamte letzte Woche in Sikkim verbracht habe. Ich wurde hier mit einer Offenheit und Warmherzigkeit empfangen, bei der mir die Abreise aus Pelling nur mit schweren Herzens gelang. Ich werde die gemütlichen Abende, die Einladungen zum Essen und das große gemeinsame Interesse aneinander sehr vermissen! Apropos Vermissen: Ganz sicher nicht den Leech, die kleinen hinterhältigen Blutsauger, die zu tausenden in feuchten Gräsern am Boden tanzend auf ihre nächste Beute warten und sich dabei auch auf die meinigen Beine stürzten. Widerliches Viehzeugs!

So zog es mich gestern also nach Bagdogra, wo urplötzlich der Blitz einschlug und ich mich im hektischen Teil Indiens wiederfand. Von der Stille der letzten Wochen war nichts geblieben, nur tosender Krach, Motorenlärm, Hupen, Kreischen und Quitschen. Dazu noch der Mix aus trockener Luft, Staub und brennender Hitze. In Delhi mit zweistündiger Verspätung angekommen, sank die Nachttemperatur nicht unter 33 Grad ab. Heute sind es wieder über 42 Grad. Hitze, Staub und Lärm. Und trotzdem hat mich Indien den letzten Monat in seinen Bann gezogen. "I love my India" - Ich liebe mein Indien. Oh ja, jetzt kann ich jeden verstehen, der sich in Indien verliebt hat, denn ich hab es auch.  

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Freitag, 23. April 2010

Schwingende Singshore Bridge

Zweithöchste Hängebrücke Asiens

Noch einmal auf ins Abenteuer. Nachdem ich gestern Abend von der netten Familie meines Hotels zum Essen eingeladen wurde, legte mir der Herr des Hauses noch unbedingt den Besuch der Singshore Brücke - die zweithöchste Hängebrücke Asiens - ans Herz. Da ich ohnehin noch einen Tag länger als geplant in Pelling bleiben würde, bat sich also der Ausflug am heutigen Tag an. Die Singshore Brücke spannt sich auf einer Länge von 200 Metern über eine 220 Meter tiefe Schlucht. Nicht das es einfach nur diese Brücke wäre, die den Besuch so einzigartig gemacht hat, vielmehr ist es das Gefühl wenn man diese Brücke zu Fuß überquert. Man spürt jeden Tritt, den man auf dieser waghalsigen Konstruktion macht. Zudem hört man permanent das Klacken der Drahtseile, die die Brücke halten. Interessant sind aber die Löcher im Stahlblech unter den Füßen, denn durch sie hat man einen einzigartigen Blick auf die Schlucht unter der Brücke. Genau diese Einzigartigkeit drehte wohl an meinem Gleichgewichtssinn und ich war froh die Brücke wohlbehalten wieder verlassen zu können.

Morgen in aller Frühe werde ich mein Taxi nach Bagdogra nehmen, um hoffentlich meinen Flug nach Delhi antreten zu können. Die Zeit hier ist wie im Fluge vergangen und jede Minute die ich in Sikkim verbringen konnte, habe ich ausgiebig genutzt. Ein sehr schöner Flecken Erde und ein wunderbarer Teil von Indien.  

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Mittwoch, 21. April 2010

Was gibt es sonst noch zu sehen?

Khechuperi Lake

Diese Frage stellte ich mir gestern früh, als ich pünktlich gegen 5.30 Uhr von einer lärmenden Meute indischer Hotelgäste unsaft aus meinen Träumen gerissen wurde. Nun, da in den nächsten drei Stunden ohnehin nicht mehr an einen geruhsamen Schlaf zu denken war, entschied ich mich für das Studium meiner Reiseliteratur. Mal sehen was mein weltweit bekannter Reiseführer noch an Tipps für die Umgebung in petto hat. Eine ganze Menge, und warum um alles in der Welt sollte ich mir nicht auch einen Teil davon anschauen? Da ich ohnehin wach war, ging es recht früh zum beliebten Frühstückslokal meiner Wahl. Anschließend gleich zu "Let´s Go Tour". Es war wohl dem Namen geschuldet, dass ich mich für die sehr luxuriöse Variante eines eigenen Transportmittels samt Fahrer entschied und meine Tour sofort und ohne zögern begann. Zwei Wasserfälle, ein Steingarten und der berühmte Khechuperi (catch-a-perry) Lake sollten neben der genialen Kulisse der Bergwelt Sikkims heute auf dem ganz privaten Reiseprogramm stehen. Eine ausgezeichnete Wahl, denn das Wetter war nahezu ideal für die Unternehmung. Lediglich am berühmten See öffneten sich die Wolken und ließen einen Schauer nach dem anderen folgen. Was solls, schließlich war ich gekommen, um den See zu sehen. Er gilt den hier ansässigen Buddhisten als heilig und wird als Pilgerstätte hoch verehrt. So ist es nicht verwunderlich, dass man nahezu überall tibetische Inschriften, kleine Tempelbauten aus Steinchen, unzählige Gebetsfahnen und Gebetsmühlen sieht. Nahezu jeder Pilger läutet dazu die Glocken, die dem ganzen Szenario noch die entsprechende mystische Stimmung verleihen. Ein Tagesausflug der am Ende jeden Cent wert war, den ich dafür investiert habe.

Und heute? Heute hat Petrus, oder wie auch immer der indische Wettergott heißen mag, seine ganzen Regentropfen zusammengenommen, um sie über Pelling auszuschütten. Es regnet nun schon seit Stunden, es blitzt und donnert. Was macht man bei solch einem Wetter? Man geht zu seinem liebsten südindischen Schnellrestaurant, kippt sich ein Masala Tee nach dem anderen rein und lauscht dazu den Regentropfen oder beobachtet den Versuch der indischen Autofahrer, sich geordnet an einer Engstelle vor dem Schnellimbiss vorbeizuschleusen. Gar nicht so einfach, wenn niemand Regeln befolgt und alle ziellos versuchen zuerst das Hindernis zu passieren. Das kann nur im Chaos enden. Ganz großes Kino!  

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Sonntag, 18. April 2010

Pelling in Westsikkim

Gestern wähnte ich mich nach meinem vorabendlichen Besuch einer Bar in Gangtok nicht auf eigenen Füßen. Wie Tommy Jaud in seinem Buch "Millionär" so trefflich beschrieben hat, litt ich an einem sogenannten "Irak-Kater", der schlimmeren Form des vorabendlichen Selbststudiums diverser einheimischer Spirituosen. Diese Art des Katers gaukelt einem vor, dass man sich wundervoll fühlen würde und man gar keinen so großen Schaden vom Barbesuch davongetragen hat. Im Laufe des Tages entpuppt er sich aber zum wahren Desater: Glaubte ich früh noch Bäume ausreißen zu können, stellten sich fast stündlich weitere körperliche Beschwerden ein. Totzdem buchte ich mir das Ticket für den Jeep nach Pelling, und kurierte meinen postalkoholischen Super-Gau während der Fahrt aus, was mir glücklicherweise gut gelang. Neben mir saß eine junge Frau, vermutlich aus Indien, so glaubte ich. Doch erst während der Fahrt realisierte ich, dass sie keine Inderin ist. In Pelling angekommen, trennten sich vorerst unsere Wege.

Pelling zieht sich entlang eines Bergrückens und zeichnet sich durch keinen wirklichen Ortscharakter aus. Vielmehr ist es eine Anhäufung von Hotels und Pensionen, die auf die vorwiegend indische Kundschaft eingestellt sind. Man trifft auf einheimische Touristen aus Kalkutta oder Mumbai, die sich den offenen Genuß von allerlei alkoholischen Getränken hingeben und bei guter Sicht nebenbei auch noch einen Blick auf das Khangchendzonga Bergmassiv werfen, sofern sie dazu noch in der Lage sind. Da aber im Moment eher schlechtes Wetter herrscht und man nur ab und zu überhaupt andeutungsweise die Berge erahnen kann, ist wohl der Alkohol der vorwiegende Spaß, den sich die indischen Touristen in Pelling geben. Es sei denn sie sind gerade angereist, dann wird erst einmal lautstark, für jedermann wahrnembar, die Glotze eingeschaltet, um anschließend noch weitaus lärmender in den Speisesaal voranzuschreiten, wo sich der Bauch im ersten Gang vollgehauen wird. Ist das Spektakel beendet, sieht der Speiseraum aus wie eine mittelalterliche Eventgastronomie nach erfolgreicher Nahrungsschlacht und der Trott wälzt sich zurück in die Zimmer, um entweder wieder lautstark in die Glotze zu starren oder noch lärmender eine Unterhaltung zu führen. Natürlich vergessen dabei die Inder nicht, noch schnell das Abendessen klar zu machen, denn pünktlich um halb neun lädt der zweite Gang zum lautstarken Abendprogramm. Dann noch zwei, drei Rum hinter die Binde gekippt, um später endlich ruhig in den Zimmern zu verschwinden, bis morgen früh der ganze Spuk wieder von vorn beginnt und man sich veranlaßt fühlt, die Gehörgänge mit schalldichten Ohrenstöpseln zu verschließen. Ja auch das ist Indien!

Beim morgendlichen Gang durch Pelling traf ich auf Efra, meine irrtümliche indische Sitznachberin im Jeep. Gemeinsam begannen wir den Tag mit einem Frühstück im indischen Schnellrestaurant und endeten in einem fünfstündigen Gespräch! Nachdem ich auch noch erfuhr, dass sie aus Israel stammt, da mußte ich meine bisherigen gesammelten Ansichten über Israelis wieder ins Lot bringen. Efra ist so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was ich bisher von jungen Leuten aus Isreal in Asien wahrgenommen habe. Sie war sehr glücklich darüber, wieder einmal erzählen zu können und das tat sie. Am Ende des Gesprächsmarathons war ich um einige Erfahrungen reicher und sie schnappte sich kurz entschlossen den Jeep Richtung Yuksom. Rastlose Füße!

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